38 Techniken

LichtgestaltungStimmung, die man schreiben kann

Licht sagt dem Publikum, wie es fühlen soll, bevor jemand spricht. Hartes Licht und tiefe Schatten bringen Spannung, weiches Licht bringt Nähe, eine einzelne Praktikerlampe bringt Einsamkeit. Ein Großteil der Filmstimmung entscheidet sich hier.

Autoren formen Licht, mehr als sie merken, durch Tageszeit, Drehorte und die Lichtquellen, die sie in einen Raum stellen: eine Kerze, eine Leuchtreklame, eine Kühlschranktür. Diese Seiten zeigen jede Technik und wie man sie von der Seite zum Set trägt.

Dreipunktbeleuchtung

Dreipunktbeleuchtung

Die Dreipunktbeleuchtung baut ein Gesicht aus drei Quellen auf: ein Führungslicht, das es modelliert, ein Aufhelllicht, das die Schatten mildert, und ein Gegenlicht, das es vom Hintergrund löst. Das Publikum sieht eine klare, plastische Person, und bemerkt das Licht selbst kaum.

Key light

Key light

Das Key light ist die wichtigste und hellste Lichtquelle auf einem Motiv, jene, die Richtung, Form und Qualität des Lichts bestimmt. Wo es sitzt und wie hart es ist, entscheidet, wie das Publikum ein Gesicht liest, noch bevor ein Wort fällt.

Fill light

Fill light

Ein Fill light ist eine weichere, schwächere Lichtquelle gegenüber dem Key, die dessen Schatten aufhellt. Wie viel Fill man zugibt, entscheidet, ob ein Gesicht offen und weich wirkt oder hart und verschlossen.

Backlight

Backlight

Ein Backlight steht hinter dem Motiv und leuchtet zur Kamera. Es zeichnet Haare und Schultern nach und löst die Figur vom Hintergrund. Verstärkt man es, werden Menschen zu glühenden Formen oder Silhouetten, und das Publikum spürt Distanz, Geheimnis oder Erhabenheit.

Rim light

Rim light

Ein Rim light steht hinter und leicht seitlich vom Motiv, damit es eine dünne, helle Kontur entlang Kopf, Schultern oder Körper zeichnet. Die Figur löst sich vom dunklen Hintergrund, und das Publikum erkennt die Form klar, selbst wenn das Gesicht im Schatten bleibt.

Kicker light

Kicker light

Ein Kicker light kommt von hinten und seitlich, oft tief angesetzt, und streift die Kante von Wange, Kiefer oder Körper. Es schält die Form aus dem Schatten, und das Publikum spürt Textur, Spannung und körperliche Präsenz.

Hair light

Hair light

Ein Hair light leuchtet von oben und leicht von hinten auf eine Person und beleuchtet Oberkopf und Hinterkopf. Es trennt das Haar vom Hintergrund und legt einen sanften Schimmer darüber, und das Publikum sieht die Figur als besonders, bewundert oder in Erinnerung verklärt.

Eye light

Eye light

Ein Eye light ist eine kleine, weiche Lichtquelle nahe der Kamera, die einen hellen Reflex, ein Catchlight, in die Augen des Schauspielers setzt. Die Augen wirken feucht, wach und lebendig, und das Publikum spürt eine direkte Verbindung zum Menschen dahinter.

High-key lighting

High-key lighting

High-key lighting flutet das Bild mit weichem, gleichmäßigem Licht und hält Schatten dünn und blass, sodass Gesichter und Sets bis in die Ecken klar lesbar sind. Das Publikum entspannt sich, oder es beginnt, wenn die Helligkeit zu perfekt wirkt, Verdacht zu schöpfen.

Low-key lighting

Low-key lighting

Low-key lighting hält den Großteil des Bildes in tiefem Schatten und lässt wenige harte Lichtquellen Gesichter, Hände und Gegenstände herausarbeiten. Das Publikum beugt sich vor, unsicher, was das Dunkel verbirgt.

Chiaroscuro

Chiaroscuro

Chiaroscuro stellt ein starkes, gerichtetes Licht gegen tiefe Dunkelheit, sodass Formen aus dem Schatten treten wie Figuren in einem alten Gemälde. Das Publikum liest Volumen, Textur und Gewicht und spürt die Schwere dessen, was es sieht.

Rembrandt lighting

Rembrandt lighting

Beim Rembrandt lighting sitzt eine Führungslampe hoch und etwa 45 Grad seitlich versetzt, sodass die abgewandte Wange im Schatten liegt, bis auf ein kleines Lichtdreieck unter dem Auge. Das Gesicht wirkt modelliert und ernst, und das Publikum spürt, dass die halbe Wahrheit dieser Person verborgen bleibt.

Butterfly lighting

Butterfly lighting

Bei Butterfly lighting sitzt das Führungslicht hoch und direkt vor dem Gesicht, sodass unter der Nase ein kleiner, symmetrischer Schatten wie ein Schmetterling entsteht. Die Wangenknochen treten hervor, die Haut wirkt glatter, und das Publikum sieht die Figur wie auf einem Filmplakat.

Loop lighting

Loop lighting

Bei Loop lighting sitzt das Führungslicht knapp über Augenhöhe und 30 bis 45 Grad seitlich versetzt, sodass die Nase einen kleinen Schatten wirft, der zur Wange hin ausläuft, ohne sie zu berühren. Gesichter wirken natürlich, offen und plastisch, und das Publikum vertraut der sprechenden Person.

Split lighting

Split lighting

Split lighting setzt das Führungslicht im 90-Grad-Winkel zum Gesicht, sodass eine Hälfte beleuchtet ist und die andere entlang der Nasenlinie im Schatten verschwindet. Das Publikum sieht einen Menschen, der in zwei Teile geschnitten ist, und fragt sich, welche Hälfte die wahre ist.

Short lighting

Short lighting

Bei Short lighting liegt das Führungslicht auf der kameraabgewandten Seite des Gesichts, sodass die Seite nahe am Objektiv im Schatten liegt. Das Gesicht wirkt schmaler und plastischer, und das Publikum spürt eine Figur mit einem Innenleben, das sie nicht teilt.

Broad lighting

Broad lighting

Broad Lighting setzt das Führungslicht auf die der Kamera zugewandte Gesichtsseite, sodass die breitere, nähere Gesichtshälfte beleuchtet ist und der Schatten auf die entfernte Seite fällt. Das Gesicht wirkt voller, weicher und offener, das Publikum fühlt sich eingeladen.

Silhouette

Silhouette

Bei einer Silhouette steht die Figur vor einem viel helleren Hintergrund, und die Belichtung richtet sich nach dem Hintergrund. So wird die Figur zu einer dunklen, kompakten Form ohne innere Details. Das Publikum liest Haltung und Umriss statt Gesicht, und das Bild wird zum Symbol.

Motivated lighting

Motivated lighting

Motivated lighting heißt: jedes Licht auf den Darstellern scheint aus einer Quelle der erzählten Welt zu kommen, einer Lampe, einem Fenster, einem Screen, einem Feuer, einem vorbeifahrenden Auto. Das Publikum bemerkt die Beleuchtung nicht und glaubt dem Raum.

Practical lighting

Practical lighting

Practical Lighting nutzt Lichtquellen, die im Bild sichtbar sind, Lampen, Kerzen, Neonschilder, Bildschirme, Glühbirnen, um die Szene auszuleuchten oder zumindest so zu wirken. Das Publikum sieht, woher das Licht kommt, und der Raum wirkt gelebt und echt.

Available light

Available light

Available Light heißt: man dreht mit dem Licht, das am Drehort vorhanden ist, Sonnenlicht, Himmelslicht, Straßenlaternen, Kerzen, Schaufenster, mit wenig oder keinem Kunstlicht dazu. Das Publikum spürt die Textur eines echten Ortes zu einer echten Stunde.

Bounce light

Bounce light

Bounce light lenkt eine Lichtquelle auf eine Fläche, eine weiße Karte, eine Wand, eine Decke, den Sand, und nutzt die Reflexion zur Ausleuchtung der Szene. Das Licht kommt weich und breit an, Gesichter wirken sanft, Schatten bleiben offen.

Hartes Licht

Hartes Licht

Hartes Licht kommt von einer kleinen oder entfernten Quelle ohne jede Streuung und wirft deshalb Schatten mit scharfer Kante. Gesichter wirken texturiert und streng, das Publikum spürt Hitze, Druck oder Gefahr.

Soft light

Soft light

Soft light kommt von einer im Verhältnis zum Motiv großen Lichtquelle, etwa einem bedeckten Himmel, einem großen Fenster oder einem Diffusionsrahmen, sodass Schatten sanft auslaufen, ohne harte Kante. Gesichter wirken ruhig und nachsichtig, das Publikum entspannt sich in die Szene hinein.

Seitenlicht

Seitenlicht

Seitenlicht kommt von einer Seite des Motivs, ungefähr im rechten Winkel zur Kamera, sodass es über Oberflächen streift und die andere Seite im Schatten lässt. Gesichter, Hände und Objekte gewinnen Textur und Tiefe, und das Publikum spürt, dass etwas außer Sicht bleibt.

Top light

Top light

Top light fällt senkrecht von oben auf die Figur, sodass Stirn, Nase und Kinn Schatten nach unten werfen und die Augen in dunklen Höhlen verschwinden. Das Publikum kann die Person schwerer lesen, sie wirkt isolierter, manchmal mächtiger, manchmal schutzloser.

Underlighting

Underlighting

Beim Underlighting sitzt die Lichtquelle unter dem Gesicht, Schatten wandern nach oben über Nase, Wangen und Stirn, statt nach unten zu fallen. Weil Tageslicht das nie tut, wirkt das Gesicht unnatürlich, und das Publikum spürt Unbehagen, Bedrohung oder den Kick einer Gruselgeschichte.

Cross lighting

Cross lighting

Beim Cross lighting stehen zwei Lichtquellen auf gegenüberliegenden Seiten der Figur, jede wirkt für die eine Seite als Führungslicht und für die andere als Kantenlicht. Die Figuren werden aus beiden Richtungen aus dem Raum herausgeschnitten, und das Publikum spürt Spannung, Konflikt oder Theatralik.

Window light

Window light

Window light nutzt Tageslicht, das durch ein Fenster in die Szene fällt, als Hauptlichtquelle, oder ahmt es mit Filmlampen nach, die draußen aufgebaut werden. Es liefert weiches, gerichtetes Licht, das im Raum abfällt, und das Publikum spürt die Tageszeit und die Welt draußen.

Candlelight

Candlelight

Candlelight beleuchtet eine Szene mit Kerzenflammen, echt oder nachgebildet, und erzeugt ein warmes, tiefes, flackerndes Licht, das schnell in Dunkelheit abfällt. Die Welt schrumpft auf den Kreis der Flamme, und das Publikum rückt näher an die Menschen darin heran.

Neonlicht

Neonlicht

Neonlicht nutzt farbige Röhren, Leuchtreklamen und LED-Streifen als sichtbare Lichtquellen und taucht Gesichter und Straßen in sattes Pink, Blau, Grün und Rot. Das Publikum betritt eine nächtliche, urbane Welt, die elektrisch, einsam oder traumhaft wirkt.

Golden hour

Golden hour

Golden hour ist die kurze Zeit nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang, wenn die Sonne tief steht, ihr Licht warm und weich wird und Schatten lang über den Boden fallen. Gesichter leuchten, Landschaften bekommen Tiefe, und das Publikum spürt: dieser Moment ist schön, weil er vergeht.

Blue hour

Blue hour

Die Blue hour ist die kurze Dämmerung vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang, wenn die Sonne unter dem Horizont steht und der Himmel ein tiefes, gleichmäßiges Blau annimmt. Warme Stadtlichter und kühler Himmel teilen sich das Bild, und das Publikum spürt ein Schweben zwischen zwei Zuständen.

Gesprenkeltes Licht

Gesprenkeltes Licht

Gesprenkeltes Licht ist Licht, das durch etwas in seinem Weg gebrochen wird, etwa Blätter, Gitter, Lochblenden oder Jalousien, sodass es in unregelmäßigen Flecken und Streifen auf Gesichter und Böden fällt. Das Bild wirkt lebendig und texturiert, und das Publikum spürt zugleich Schönheit und Verbergen.

Gobo lighting

Gobo lighting

Gobo lighting setzt eine Schablone (einen Gobo oder ein Cookie) zwischen ein Hartlicht und die Szene, sodass das Licht in einem Muster fällt: Lamellen, Fenstersprossen, Blätter, ein Gitter. Das Bild bekommt Struktur und die Ahnung einer Welt außerhalb des Kaders, und das Publikum spürt die Stimmung, die diese Form nahelegt.

Volumetric light

Volumetric light

Volumetric light macht Lichtstrahlen in der Luft sichtbar: Licht durchdringt Dunst, Rauch, Staub, Nebel oder Dampf und zieht Schächte durch das Bild. Der Raum gewinnt Tiefe und Größe, und das Publikum empfindet Staunen, Geheimnis oder das Sakrale.

Cameo lighting

Cameo lighting

Cameo lighting beleuchtet nur das Motiv, meist ein Gesicht oder eine Figur, und lässt den Hintergrund auf reines Schwarz fallen, wie ein geschnittenes Porträt in dunklem Stein. Die Welt verschwindet, dem Publikum bleibt nur der Blick auf den Menschen.

Spotlight

Spotlight

Ein Spotlight wirft einen engen, harten Strahl, der einen hellen Lichtkreis auf eine Figur oder einen Bereich legt, während die Umgebung dunkel bleibt. Das Publikum weiß genau, wohin es schauen soll, und spürt, wie es sich anfühlt, herausgegriffen zu werden.

Fragen von Autoren

Kann ein Drehbuchautor Licht vorgeben?
Nicht mit Fachbegriffen, aber ja, über die Welt der Szene. TAG oder NACHT in der Szenenüberschrift, eine flackernde Leuchtreklame vor dem Fenster, eine Kerze auf dem Tisch: solche Entscheidungen geben dem Kameramann eine motivierte Lichtquelle und eine Stimmung zum Aufbauen.
Was ist motiviertes Licht?
Licht, das scheinbar aus einer Quelle innerhalb der Szene kommt, etwa einem Fenster, einer Lampe oder einem Bildschirm. Es hält das Bild glaubwürdig. Ein Großteil der Lichtsetzung besteht darin, Scheinwerfer wie diese Quellen wirken zu lassen.
Was ist der Unterschied zwischen High Key und Low Key?
High Key ist hell und gleichmäßig ausgeleuchtet, mit wenig Schatten, typisch für Komödie und Werbung. Low Key hält den Großteil des Bildes dunkel mit starkem Kontrast, typisch für Thriller und Film noir. Das Verhältnis zwischen Führungslicht und Aufhelllicht entscheidet, welches der beiden entsteht.