25 Techniken
BildkompositionWo die Dinge im Bild stehen
Komposition ist die Grammatik eines einzelnen Bildes: wer groß ist, wer klein, wer zentriert, wer an den Rand gedrängt. Sie sagt dem Publikum, wohin es blicken soll und wie das Verhältnis zwischen Menschen und Räumen ist.
Sie lebt vor allem im Storyboard. Ein Autor kann sie trotzdem anlegen: eine Figur allein in einer riesigen Halle, zwei Menschen an entgegengesetzten Enden eines Tisches. Jede Seite zeigt die Komposition, ihre Bedeutung und wie man sie in einem Panel skizziert.

Rule of thirds
Die Rule of thirds teilt das Bild mit zwei senkrechten und zwei waagrechten Linien und setzt das Motiv, die Augen oder den Horizont auf diese Linien statt in die Mitte. Das Bild wirkt ausgewogen, aber nicht erstarrt, und das Publikum liest den leeren Teil des Bildes als Teil der Geschichte mit.

Goldener Schnitt
Die Komposition nach dem Goldenen Schnitt setzt das Motiv auf Linien im Verhältnis von etwa 1 zu 1,618, oder an das enge Ende einer Spirale, die sich durchs Bild windet. Der Blick wandert entlang der Formen im Bild und bleibt an einem Punkt hängen, sodass die Einstellung durchkomponiert wirkt, nicht nur ausbalanciert.

Zentrierte Komposition
Bei der zentrierten Komposition steht die Figur exakt in der Bildmitte, oft frontal zur Kamera oder entlang ihrer Achse blickend. Der Blick des Zuschauers kann nicht zu den Rändern abwandern, die Einstellung wirkt bewusst gesetzt, konfrontativ oder seltsam formell.

Symmetrie
Ein symmetrisches Bild spiegelt sich an einer Mittelachse, mit passenden Formen, Linien und oft Personen auf beiden Seiten. Es wirkt wie Kontrolle, Zeremonie oder Perfektion, und jeder kleine Bruch im Muster springt dem Zuschauer ins Auge.

Asymmetrie
Die asymmetrische Bildgestaltung gibt einer Bildseite durch Größe, Ton, Personen oder Leerraum weit mehr Gewicht als der anderen. Das Publikum spürt das Ungleichgewicht, und der Blick sucht immer wieder auf der leeren Seite nach dem, was dort fehlen sollte.

Leading lines
Leading lines sind Straßen, Gleise, Mauern, Zäune oder Schatten, die durchs Bild laufen und auf das Motiv zeigen. Das Publikum folgt ihnen ohne nachzudenken und landet genau dort, wohin der Regisseur den Blick lenken will.

Frame within a frame
Ein Frame within a frame nutzt eine Tür, ein Fenster, einen Spiegel oder einen Bogen im Bild, um die Figur ein zweites Mal einzurahmen. Der Blick des Zuschauers verengt sich auf dieses innere Rechteck, und die Figur wirkt eingesperrt, beobachtet oder vom Raum gefangen genommen.

Negative space
Negative space ist die leere Fläche um die Figur: Himmel, Schnee, Wasser, eine kahle Wand. Nimmt sie den Großteil des Bildes ein, spürt das Publikum die Größe der Welt, und wie allein oder klein die Figur darin ist.

Foreground interest
Foreground interest platziert einen Gegenstand oder eine Person nah an der Linse, während die eigentliche Handlung weiter hinten spielt. Das Publikum sieht sofort Tiefe, und das nahe Element kommentiert, was dahinter passiert.

Layered depth
Layered depth staffelt das Bild in drei Ebenen: etwas nah an der Linse, die Haupthandlung in der Mitte, und Leben, das im Hintergrund weitergeht. Das Publikum liest die Szene als echten, belebten Ort, an dem mehrere Dinge gleichzeitig passieren.

Diagonalkomposition
Diagonalkomposition ordnet die Hauptlinien eines Bildes, etwa Treppen, Seile, Dachkanten, Schatten oder Körper, schräg über das Bildfeld an. Das Bild wirkt in Bewegung, selbst wenn sich nichts bewegt, und das Publikum spürt Instabilität oder Antrieb.

Dreieckskomposition
Die Dreieckskomposition ordnet drei Gesichter, Figuren oder Lichtquellen so an, dass sie ein Dreieck im Bild bilden. Der Blick wandert von Punkt zu Punkt, und das Publikum liest die Gruppe als eine einzige Beziehung mit klarer Form.

Headroom
Headroom ist der Abstand zwischen dem Kopf einer Figur und der oberen Bildkante. Zu wenig erdrückt die Figur, zu viel lässt sie schrumpfen, und das richtige Maß lässt das Publikum das Gesicht lesen, ohne den Bildrahmen überhaupt wahrzunehmen.

Lead room
Lead room ist der offene Raum vor einer Figur, in der Richtung, in die sie blickt oder sich bewegt. Er gibt Blick und Bewegung ein Ziel, sodass das Publikum Schwung spürt und der Aufmerksamkeit der Figur folgt.

Short siding
Short siding zeigt eine Figur, die zur nächstgelegenen Bildkante blickt, mit dem Leerraum hinter dem Kopf statt vor dem Gesicht. Das Publikum spürt, wie sich die Welt der Figur zusammenzieht, und der Leerraum hinter ihr beginnt bedrohlich zu wirken.

Visual weight
Visual weight ist die Anziehungskraft, die jedes Element im Bild auf den Blick ausübt, durch Größe, Helligkeit, Farbe, Schärfe, Position und ob es ein menschliches Gesicht ist. Das schwerste Element gewinnt die Aufmerksamkeit, und das Publikum liest daraus Macht und Wichtigkeit.

Wiederholung und Muster
Musterkomposition füllt das Bild mit sich wiederholenden Formen: Reihen von Pulten, identische Fenster, Uniformen, Fliesen, Spinde. Das Auge liest Rhythmus und Ordnung, und alles, was das Muster durchbricht, sieht der Zuschauer als Erstes.

Figure-ground
Figure-ground beschreibt das Verhältnis zwischen dem Motiv, der Figur, und allem dahinter, dem Grund. Kontrastieren beide klar in Ton, Farbe, Schärfe oder Struktur, findet das Publikum das Motiv sofort, selbst in einem vollen oder chaotischen Bild.

Tonkontrast
Tonkontrast ist der Helligkeitsunterschied zwischen Bildbereichen, von tiefem Schwarz bis zu strahlendem Weiß. Starker Kontrast schnitzt Formen aus der Dunkelheit und wirkt dramatisch, schwacher Kontrast wirkt weich, neblig oder melancholisch.

Zentralperspektive
Die Zentralperspektive richtet die Kamera frontal auf einen Gang, eine Straße oder einen Raum, sodass alle nach hinten fliehenden Linien in einem einzigen Fluchtpunkt zusammenlaufen, meist in der Bildmitte. Das Bild wirkt tief, geordnet und unausweichlich, und der Blick des Zuschauers wandert direkt zum hinteren Ende.

Dirty Frame
Beim Dirty Frame filmt die Kamera an einem unscharfen Element nah am Objektiv vorbei, etwa einer Schulter, einem Türrahmen, einer Lampe oder einer vorbeigehenden Person. Das Publikum fühlt sich körperlich anwesend, als stünde es mitten unter den Figuren oder würde heimlich mithören.

Clean frame
Ein Clean frame zeigt die Figur ohne Vordergrund und ohne Konkurrenz im Hintergrund: keine Schultern, keine Unordnung, keine störenden Gegenstände. Das Publikum hat nur eine Sache zu sehen, dadurch wirkt die Figur isoliert, bloßgestellt oder völlig im Fokus.

Reflection Shot
Ein Reflection Shot rahmt eine Figur, oder einen Teil der Szene, durch einen Spiegel, ein Fenster, eine Pfütze oder eine andere spiegelnde Fläche. Das Bild spaltet die Person in zwei, und das Publikum liest das Doppel als Frage danach, wer sie wirklich ist.

Tableau shot
Ein Tableau shot ist eine statische, meist frontale Totale, in der die ganze Szene in einem einzigen, sorgfältig komponierten Bild inszeniert wird, wie ein Gemälde oder eine Theaterbühne. Das Publikum sieht alles auf einmal, und die Figuren wirken angeordnet, wie vom Schicksal oder von ihrer Welt hingestellt.

Voyeur shot
Ein Voyeur shot filmt eine Figur aus versteckter Position: durch Jalousien, zwischen Ästen, über einen Hinterhof hinweg, durchs Schlüsselloch. Das Publikum wird selbst zum Spanner, und die Lust am Sehen mischt sich mit Schuld und Angst.