Ein Spec Script ist die saubere Lesefassung, die Sie an Käufer schicken: ohne Szenennummern, ohne Revisionsmarkierungen und mit möglichst wenig Kameraanweisungen. Die Drehfassung (Shooting Script) ist die festgeschriebene Produktionsversion: Jede Szene ist nummeriert, geänderte Seiten tragen Revisionsfarbe und Datum, und sie kann mehr technische Anweisungen für Team, Besetzung und Postproduktion enthalten. Ein Spec verkaufen Sie, eine Drehfassung drehen Sie. Weitere Seitenstandards finden Sie im umfassenden Leitfaden zur Drehbuchformatierung.
Sie geben ein Drehbuch ab. Es ist sauber. Keine Szenennummern. Keine (WEITER), die den Dialog zustellen. Es liest sich wie eine Geschichte. Dann sagt jemand, er schicke es an die Herstellungsleitung. Das Nächste, was Sie sehen, hat Nummern am Rand, überarbeitete Seiten und eine Kopfzeile "DREHFASSUNG". Es ist dieselbe Geschichte. Es ist nicht dasselbe Dokument. Das Spec ist zum Verkaufen und Lesen da. Die Drehfassung ist zum Drehen da. Wer den Unterschied nicht kennt, gibt zur falschen Zeit das Falsche ab, oder wird von jemandem umgeschrieben, der ihn kennt.
Autorinnen und Autoren kümmern sich um das Spec. Es bringt Ihnen eine Agentur, einen Platz im Writers' Room, einen Auftrag. Die Produktion kümmert sich um die Drehfassung. Sie wird disponiert, kalkuliert und gedreht. Zwei Phasen derselben Geschichte. Andere Regeln. Andere Leser.
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Was ein Spec Script ist
Ein Spec Script ist ein Drehbuch, das "on speculation" geschrieben wird, also ohne garantierten Käufer und ohne Produktionszusage. Mit dieser Fassung suchen Sie eine Agentur, nehmen an Wettbewerben teil und gehen auf Produzenten und Redaktionen zu. Ihre einzige Aufgabe ist, gelesen zu werden. Deshalb ist sie auf Klarheit und Lesefluss getrimmt. Keine Szenennummern. Keine Kameraanweisungen (oder sehr wenige). Keine technischen Anmerkungen. Nur Geschichte, Figuren, Dialog und Handlung. Wer liest, soll vergessen, dass er ein Drehbuch liest. Er soll den Film sehen.
Der Standard des amerikanischen Spec-Formats: Courier 12 Punkt (oder gleichwertig), Ränder von etwa 2,5 cm, Dialog und Handlung in derselben Schrift. Szenenköpfe in Großbuchstaben. Figurennamen in Großbuchstaben über dem Dialog. Möglichst wenige Regieanweisungen in Klammern. Keine Bindung, oder als PDF. Ziel ist, professionell auszusehen und nicht im Weg zu stehen. Alles, was die Leserin daran erinnert, dass sie einen Bauplan liest, Kamerawinkel, Objektivwahl, Szenennummern, gehört in eine andere Phase. Wie wir bei der Formatierung von Telefonaten und anderen technischen Entscheidungen gesehen haben, treffen Sie auch im Spec Formatentscheidungen, die die Lesbarkeit beeinflussen. Aber Sie treffen noch keine Produktionsentscheidungen.
Das Spec Script beantwortet eine Frage: Würde ich diesen Film sehen wollen? Die Drehfassung beantwortet eine andere: Wie bauen wir ihn?
Die deutsche Besonderheit: nummerierte Bilder von Anfang an
Die Regel "keine Nummern" stammt aus dem amerikanischen Markt und gilt hier nicht eins zu eins. Deutschsprachige Drehbücher nummerieren ihre Szenen oder "Bilder" traditionell schon in frühen Fassungen ("12. INNEN. KÜCHE - NACHT"), besonders im Fernsehen, und Redaktionen, Förderjurys und Produktionsfirmen sind daran gewöhnt. Behalten Sie die Nummern, wenn Sie für den deutschsprachigen Markt schreiben, und entfernen Sie sie, wenn Sie ein Spec an einen Manager, einen Wettbewerb oder eine englischsprachige Produktion schicken. Die technische Auflösung der Regie ist hierzulande oft ein eigenes Dokument neben der Drehfassung.
Was eine Drehfassung ist
Die Drehfassung ist die festgeschriebene Version für Vorbereitung und Dreh. Sie hat Szenennummern. Jede Szene bekommt eine Nummer (1, 2, 3...), damit Drehplan, Kalkulation, Dispo und Schnitt sich auf dasselbe beziehen. "Heute drehen wir die Bilder 24 und 27." Das funktioniert nur, wenn das Buch nummeriert ist. Die Drehfassung kann außerdem überarbeitete Seiten (mit Revisionsfarben und Datum), Produktionsnotizen und mitunter ausführlichere technische Anweisungen enthalten. Sie ist ein Arbeitsdokument. Wie die Leute ganz oben diese Dokumente nutzen, lesen Sie in was ein Showrunner ist und wie man einer wird. Sie hat die Entwicklung durchlaufen. Vielleicht haben Regie, Showrunner oder andere Autoren sie überarbeitet. Diese Fassung zerlegen Regieassistenz und Herstellungsleitung. Diese Fassung liegt am Set.
Die erste Drehfassung erstellt meist nicht der Autor, sondern das Produktionsbüro. Es nimmt das abgenommene Buch (oft noch im Spec-Format), fügt Szenennummern hinzu und verteilt es als Drehfassung. Danach erzeugt jede Änderung überarbeitete Seiten. Eine neue Szene bekommt einen Buchstaben (24A). Eine gestrichene Szene behält ihre Nummer, wird aber als GESTRICHEN (OMITTED) markiert. So bleiben alle auf demselben Stand, buchstäblich auf derselben Seite.

Nebeneinander: warum sie auseinanderlaufen
| Aspekt | Spec Script | Drehfassung |
|---|---|---|
| Szenennummern | Keine (US-Markt) | Jede Szene nummeriert |
| Revisionen | Entfällt | Revisionsfarben, Datum, "Rev." in der Kopfzeile |
| Kamera und Technik | Vermieden oder minimal | Gegebenenfalls mehr (je nach Regie) |
| Leser | Lektorat, Käufer, Redaktionen | Team, Besetzung, Postproduktion, Kalkulation |
| Einsatz | Entwicklung, Pitch, Writers' Room | Von der Vorbereitung bis Drehschluss |
Das Spec ist ein Verkaufs- und Lesedokument. Die Drehfassung ist ein Fertigungsdokument. Eine Drehfassung "verkauft" man nicht. Man dreht sie.

Praxisbeispiel: die falsche Datei beim ersten Versand
Sie haben einen Spielfilm geschrieben. Ihre Agentur sagt: "Schick das Buch an diesen amerikanischen Produzenten." Sie schicken die einzige Fassung, die Sie haben, die, an der Sie seit Monaten feilen, mit Szenennummern, die Sie "zur Orientierung" eingefügt haben, und ein paar "wir sehen" und "die Kamera fährt heran", weil Ihnen das gefiel. Der Produzent liest. Er sagt nicht wegen der Nummern ab. Aber die Lektüre wirkt technisch. Er wird daran erinnert, dass er einen Bauplan liest. Das Spec soll sich wie eine Geschichte lesen. Sie haben ein Zwischending geschickt. Nächstes Mal: die saubere Fassung. Keine Nummern. Keine Kameraanweisungen. Lassen Sie die Geschichte führen. Heben Sie die andere Fassung für den Moment auf, in dem jemand die Drehfassung verlangt. Wie Sie ein Drehbuch lesbar und professionell halten, zeigt auch wie man Geräusche im Drehbuch beschreibt: dasselbe Prinzip, nur was die Leserin braucht.
Praxisbeispiel: die Autorin im Writers' Room bekommt überarbeitete Seiten
Sie arbeiten an einer Serie. Sie haben Folge vier geschrieben. Sie bekommen ein PDF: "Folge 104, Rev. Blau, 14.02." Ihre Szenen sind da, aber nummeriert. Manche Dialoge sind anders. Eine Ihrer Szenen ist jetzt 6A, sie wurde geteilt. Diese Überarbeitung stammt nicht von Ihnen, sondern von Showrunner oder Regie. Das ist normal. Die Drehfassung ist ein lebendes Dokument. Ihre Aufgabe im Team ist, den Revisionsprozess zu verstehen. Vielleicht sollen Sie die überarbeiteten Seiten Ihrer eigenen Folge schreiben, vielleicht eine Fassung für jemand anderen. Die Drehfassung ist die maßgebliche Quelle. Sie arbeiten von ihr aus. Sie bestehen nicht darauf, dass das "echte" Buch Ihre Urfassung ist. Das echte Buch ist das, was gedreht wird.
Was Anfänger falsch machen
Ein Spec für den US-Markt nummerieren. Das weist Sie als unerfahren aus. Für amerikanische Leser gehören Nummern zur Produktion und zu Fassungen, die schon durch die Entwicklung gegangen sind. Schicken Sie an einen Wettbewerb, einen Manager oder eine US-Produktion, entfernen Sie sie. Für eine deutsche Redaktion oder Förderjury stellt sich die Frage anders, siehe oben.
Im Spec wie eine Regisseurin schreiben. "Die Kamera steigt per Kran auf." "Schnitt auf Großaufnahme." "Totale: die Stadt." Manche Leser finden das lästig, andere anmaßend. Das Spec ist nicht der Ort, um den Film aufzulösen. Schreiben Sie, was wir sehen und was passiert. Überlassen Sie das Objektiv der Regie. Führen Sie selbst Regie, können Sie das in der Auflösung oder Shotlist ergänzen.
Annehmen, das Spec werde nie nummeriert. Sobald das Buch gekauft oder finanziert ist, wird es zur Drehfassung. Das heißt nicht, dass Sie es jetzt schon so schreiben müssen. Es heißt, dass Sie vermeiden sollten, was den Übergang erschwert, etwa 80 Szenen zu schreiben, wo 40 reichen, oder Szenen, die sich nicht disponieren lassen. Denken Sie im Spec wie eine Erzählerin. Denken Sie am Ende ein wenig an die Machbarkeit. Sie müssen keine Nummern einfügen. Sie müssen etwas schreiben, das sich aufschlüsseln lässt.
Das Revisionsprotokoll in der Produktion ignorieren. Bei einer Serie oder einem finanzierten Spielfilm hat die Drehfassung Regeln. Neue Seiten bekommen eine Revisionsfarbe. Ergänzte Szenen werden A, B, C. Das ganze Buch wird nicht neu nummeriert. Unmarkierte Überarbeitungen werden nicht verschickt. Lernen Sie das Protokoll. Das Produktionsbüro erklärt es Ihnen, wenn Sie fragen. Besser fragen als das Falsche schicken.
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Start FreeWann das Spec zur Drehfassung wird
Der Übergang passiert, wenn das Projekt für die Vorbereitung freigegeben wird. Das Produktionsbüro (oder der Autor, falls beauftragt) nimmt das festgeschriebene Buch und fügt Szenennummern hinzu. Das ist die erste Drehfassung. Ab dann wird jede Änderung nachverfolgt. Als Autorin werden Sie vielleicht gebeten, die Revisionen zu schreiben. Sie werden als farbige Seiten verteilt. Das Buch bleibt ein Dokument, alle haben dieselben Szenennummern, aber die Seiten ändern sich. So bleibt das Team auf dem aktuellen Stand. Wenn Sie für einen Room oder eine Überarbeitung engagiert werden, arbeiten Sie innerhalb dieses Systems.

Überarbeitete Seiten und das Leben der Drehfassung
Sobald die Drehfassung im Umlauf ist, werden Änderungen nachverfolgt. Eine Dialogkorrektur, eine neue Szene, eine Streichung: Jede erzeugt überarbeitete Seiten. Das Produktionsbüro vergibt eine Revisionsfarbe (Blau, Rosa, Gelb...) und ein Datum. In der Kopfzeile steht etwa "Rev. Blau, 18.02." Nur die geänderten Seiten werden neu verteilt. Alle tauschen nur diese Seiten in ihrem Exemplar aus. Das Buch bleibt ein Dokument mit denselben Nummern, der Inhalt entwickelt sich. Wer neu in der Produktion ist, schickt manchmal eine komplette neue Fassung ohne Revisionsfarben. Das bricht das System.
In deutschen Produktionen ist das Farbsystem weniger verbreitet als in Hollywood: Häufig werden datierte, durchnummerierte Fassungen verteilt ("Drehfassung V7 vom 18.02.") und Änderungen mit einem Sternchen am Rand markiert. Das Prinzip ist dasselbe: ein maßgebliches Dokument, sichtbare Änderungen, keine Neunummerierung. Fragen Sie das Produktionsbüro, wie es Revisionen erhalten möchte, und halten Sie sich daran.

Warum das Spec-Format bleibt
Auch nach dem Verkauf bleiben frühe Entwicklungsfassungen oft im Spec-Format. Produktion und Autoren ändern die Geschichte noch, und eine zu frühe Nummerierung würde bei jeder neuen oder gestrichenen Szene eine Neunummerierung erzwingen. Das Buch bleibt also "sauber", bis es für die Vorbereitung festgeschrieben wird. Dann fügt das Produktionsbüro die Nummern ein und verteilt die erste Drehfassung. Sagt eine Redakteurin "Schick mir die neueste Fassung", meint sie meist die Lesefassung, es sei denn, sie hat ausdrücklich die Drehfassung verlangt. Fragen Herstellungsleitung oder Regieassistenz nach "dem Buch", meinen sie die nummerierte Drehfassung. Ein Wort, zwei Dokumente. Treffen Sie das richtige.

Die Perspektive
Das Spec Script ist zum Lesen da. Die Drehfassung ist zum Bauen da. Schreiben Sie das Spec, damit es verkauft und gelesen wird, ohne Produktionsmaschinerie. Wenn das Projekt vorankommt, entsteht die Drehfassung aus Ihrer Arbeit, und sie wird sich weiterentwickeln. Ihre Aufgabe ist zu wissen, welches Dokument Sie wann schreiben, und das richtige an die richtige Person zu geben. Gelingt das, wirken Sie, als machten Sie das seit Jahren.
FAQ
Soll ich die Szenen in einem Drehbuch nummerieren, das ich verschicke?
Für den US-Markt nein: Ein Spec ohne Nummern ist die Norm. Für deutsche Redaktionen, Produktionsfirmen und Förderjurys sind nummerierte Szenen oder Bilder üblich und problemlos. Richten Sie sich nach dem Empfänger.
Wer macht aus dem Spec die Drehfassung?
Meist das Produktionsbüro, beim Festschreiben vor der Vorbereitung. Danach kann der Autor die überarbeiteten Seiten schreiben.
Was bedeutet Szene 24A?
Eine nach der Nummerierung ergänzte Szene zwischen 24 und 25. Man hängt einen Buchstaben an, statt neu zu nummerieren, damit Drehplan und Dispo gültig bleiben.
Ist die Drehfassung dasselbe wie die Auflösung?
Nein. Die Drehfassung ist das nummerierte, festgeschriebene Buch, mit dem das ganze Team arbeitet. Die Auflösung ergänzt die Einstellungen, Größen und Bewegungen, die die Regie plant. Je nach Produktion existieren beide nebeneinander oder werden zusammengeführt.
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