Handwerk14 Min. Lesezeit

Die perfekte Logline schreiben: die Formel, die verkauft

Hauptfigur, Ziel, Hindernis, Fallhöhe: die vierteilige Formel, mit der Ihr Drehbuch gelesen statt aussortiert wird. Dazu die typischen Fehler und wie Sie Ihre Logline testen.

Die Logline als Aufhänger, technische Skizze auf dunklem Grund
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ScreenWeaver Editorial Team

25. Februar 2026

Updated 28. Oktober 2026

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Eine Logline, die verkauft, nennt eine Hauptfigur mit einem prägenden Merkmal, ein Ziel, ein Hindernis und die Fallhöhe, in ein oder zwei Sätzen, die so konkret sind, dass sie nur Ihren Film beschreiben können. Ergänzen Sie Ironie oder eine Wendung, wenn das den Aufhänger schärft, streichen Sie vage Formulierungen wie "lernt, was wirklich zählt", und sprechen Sie sie laut aus: Wenn Ihnen die Luft ausgeht, ist sie zu lang. Alle Leitfäden zum Pitchen finden Sie in unserem Karriere-Hub für Drehbuchautoren.

Eine Producerin in der Stoffentwicklung hat sechzig Drehbücher auf dem Tisch. Sie liest die erste Logline: "Ein Mann muss sich seiner Vergangenheit stellen." Weggelegt. Nächste. "Eine Frau entdeckt, dass nichts ist, wie es scheint." Weggelegt. Nächste. "Ein in Ungnade gefallener Schachtrainer hat eine einzige Chance auf die Deutsche Meisterschaft, wenn er alles auf ein unberechenbares Wunderkind setzt, doch der Junge könnte sie beide zerstören, bevor sie je am Brett sitzen." Sie liest weiter. Das ist der Unterschied. Die ersten beiden könnten jeder Film sein. Die dritte ist ein Film. Sie hat eine Hauptfigur, ein Ziel, einen Preis und eine tickende Uhr. Sie verkauft.

Die Logline ist die Zusammenfassung in ein oder zwei Sätzen, die in Pitch-Unterlagen, One-Pagern und Pitch Decks steht. Sie sorgt dafür, dass Ihr Drehbuch gelesen, Ihr Termin angesetzt und Ihr Projekt weitergereicht wird. Verfehlen Sie sie, klingen Sie beliebig. Treffen Sie sie, klingen Sie wie jemand, der genau weiß, was er schreibt. Dieser Leitfaden zerlegt die Formel, die funktioniert: Hauptfigur, Ziel, Hindernis, Fallhöhe. Wir ergänzen die optionalen Zutaten, die eine Logline zum Leuchten bringen, und zeigen, wie Sie die Fallen vermeiden, wegen derer Ihr Drehbuch zur Seite gelegt wird.

Wofür eine Logline da ist

Eine Logline ist keine Tagline. "Im Weltraum hört dich niemand schreien" ist Marketing. Eine Logline ist Geschichte. Sie beantwortet vier Fragen: Um wen geht es, was will die Figur, was steht im Weg, und was passiert, wenn sie scheitert? Idealerweise in unter 35 englischen Wörtern, auf Deutsch eher 30 bis 40, weil Komposita zwar Wörter sparen, die Sätze aber länger werden. Sie ist Ihre Antwort auf "Worum geht's in deinem Drehbuch?", wenn Sie fünf Sekunden haben. Sie ist auch das Rückgrat Ihres One-Pagers und die zweite Folie Ihres Pitch Decks. Einmal sauber formuliert, verwenden Sie sie überall.

Im deutschsprachigen Raum arbeitet sie auch jenseits der Produktionsfirmen. Anträge auf Drehbuch- oder Stoffentwicklungsförderung bei der FFA, beim Kuratorium junger deutscher Film oder bei Länderförderern wie dem FFF Bayern, dazu Drehbuchpreise und Stipendien, verlangen fast immer eine Kurzinhaltsangabe von wenigen Zeilen vor dem Exposé: Das ist Ihre Logline. Eine Jury, die fünfzig Anträge pro Sitzung liest, reagiert genau wie die Producerin in unserem Beispiel.

Eine Logline beschreibt nicht Ihr Drehbuch. Sie verkauft das Erlebnis, den Film zu sehen. Jedes Wort muss sich seinen Platz verdienen.

Die Grundformel: Hauptfigur + Ziel + Hindernis + Fallhöhe

Hauptfigur. Benennen Sie die zentrale Figur (oder ihren Typ) und geben Sie ihr ein prägendes Merkmal oder eine Situation. "Ein abgehalfterter Boxer." "Eine jugendliche Hackerin, die nie ihr Zimmer verlässt." "Ein alleinerziehender Vater, der ein insolventes Bestattungsunternehmen führt." Wir müssen in einem Atemzug einen Menschen und eine Lage sehen.

Ziel. Was will die Figur? "Muss einen letzten Kampf gewinnen." "Will herausfinden, wer ihrer Schwester etwas angehängt hat." "Hofft, das Geschäft zu retten und seiner Tochter die Schule zu finanzieren." Das Ziel muss konkret sein. "Will sich selbst finden" ist vage. "Will die Anerkennung seines Vaters, indem er das Turnier gewinnt, das sein Vater verloren hat" ist konkret.

Hindernis. Was steht im Weg? Der Gegenspieler, das System, die Schwäche, die Uhr. "Doch sein Körper versagt, und sein alter Rivale ist Weltmeister." "Doch der einzige Zugang führt über ein geheimes Netzwerk, das sie das Leben kosten könnte." "Doch eine Kette kauft jedes Bestattungsinstitut der Stadt auf, und seine Tochter hat angefangen zu stehlen." Das Hindernis erzeugt den Konflikt. Kein Hindernis, kein Film.

Fallhöhe. Was passiert, wenn die Figur scheitert? "Verlieren heißt, den Respekt der Tochter und die letzte Chance auf Wiedergutmachung zu verlieren." "Fliegt sie auf, verschwindet sie wie ihre Schwester." Die Fallhöhe kann emotional, körperlich oder moralisch sein. Sie muss zählen. "Sonst ist er traurig" ist schwach. "Sonst verliert er die einzige Familie, die ihm bleibt" ist stark.

Fügen Sie alles zusammen. Als [Hauptfigur] [Ziel], [Hindernis]. [Fallhöhe]. Oder: [Hauptfigur] muss [Ziel], bevor [Hindernis] zu [Folge] führt. Die Reihenfolge ist variabel, aber alle vier Elemente gehören hinein. Fehlt eines, wirkt die Logline flach oder beliebig.

Praxisbeispiel: das Familiendrama

Sie haben ein Drehbuch über eine Frau geschrieben, die nach dem Tod ihrer Mutter in ihre Heimatstadt zurückkehrt und das Elternhaus verkaufen muss, während sie sich mit ihrer entfremdeten Schwester und einem Geheimnis aus der Kindheit auseinandersetzt. Erste Fassung: "Eine Frau kehrt nach dem Tod ihrer Mutter nach Hause zurück und stellt sich ihrer Vergangenheit." Hauptfigur und ein vages Ziel. Kein Hindernis, keine Fallhöhe. Weggelegt.

Zweite Fassung: "Als eine Frau in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um das Haus ihrer verstorbenen Mutter zu verkaufen, muss sie sich der Schwester stellen, mit der sie seit zwanzig Jahren nicht spricht, und einem verschütteten Geheimnis, das die Familie endgültig zerreißen könnte." Jetzt haben wir Hauptfigur (eine heimkehrende Frau), Ziel (das Haus verkaufen), Hindernis (Schwester, Geheimnis) und Fallhöhe (die Familie zerbricht). Immer noch ein Satz. Es ist ein Film.

Praxisbeispiel: der Genrefilm

Sie haben ein Horrordrehbuch. "Eine Gruppe von Freunden fährt in eine Hütte, und schlimme Dinge passieren." Das ist jeder Hüttenfilm. Versuchen Sie: "Als fünf Freunde für ein Wiedersehen eine abgelegene Berghütte im Allgäu mieten, erweisen sich die 'Regeln' des Hüttenwirts als das Einzige, was sie am Leben hält, und einer von ihnen hat die erste bereits gebrochen." Jetzt gibt es einen Aufhänger (die Regeln), eine klare Lage und eine tickende Uhr (eine Regel schon gebrochen). Das Hindernis sind die Regeln und das Monster, die Fallhöhe ist Leben oder Tod. Gleiches Genre, konkreter Film.

Die optionalen Zutaten, die eine Logline leuchten lassen

Eine Wendung oder Ironie. "Ein Auftragskiller, der nie danebengeschossen hat, soll das einzige Ziel töten, das er nicht treffen kann: seine eigene Tochter." Die Ironie erledigt die Arbeit. Ebenso: "Die Einzige, die die Welt vor dem Virus retten kann, ist die Wissenschaftlerin, die es erschaffen hat."

Eine Frist. "Vor der Wahl." "Vor Sonnenaufgang." "Bevor ihre Schwester abgeschoben wird." Fristen erzeugen Dringlichkeit.

Ein klares "doch". Das Wort "doch" (oder "aber") markiert die Wende. "Sie will den Prozess gewinnen, doch der einzige Zeuge ist der Mann, der ihre Karriere zerstört hat." Im "doch" wohnt das Hindernis.

Aktive Verben. "Muss sich stellen" ist stärker als "geht hin, um sich zu stellen". "Kämpft um die Rettung" ist stärker als "versucht zu retten". Ein oder zwei starke Verben pro Logline.

Keine Figurennamen. Meist brauchen Sie keine. "Ein in Ungnade gefallener Journalist" funktioniert besser als "Jan Becker", weil die Leserin Jan nicht kennt. Namen gehören in den One-Pager oder den Pitch.

Was Anfänger falsch machen

Zu vage. "Ein Mann lernt, was wirklich zählt." Welcher Mann? Was zählt? Welche Geschichte? Lösung: eine konkrete Hauptfigur, ein greifbares Ziel, ein klares Hindernis. "Ein arbeitssüchtiger Geschäftsführer muss sich entscheiden, ob er den Deal seines Lebens abschließt oder beim einzigen Klaviervorspiel seiner Tochter dabei ist, nachdem er schon jeden anderen wichtigen Moment verpasst hat."

Zu lang. Drei Sätze sind eine Inhaltsangabe, keine Logline. Über 35 englische oder rund 40 deutsche Wörter: kürzen. Streichen Sie Adjektive, die am Pitch nichts ändern. "Ein brillanter, aber gequälter Kommissar" kann "Ein suspendierter Kommissar" werden. Ein Satzglied pro Idee.

Das Ende verraten. Die Logline stellt den Film auf, sie sagt nicht, wer gewinnt. "Am Ende besiegt sie den Bösewicht und rettet den Tag" ist ein Spoiler. "Sie muss den Bösewicht besiegen oder alles verlieren" ist ein Pitch.

Mehrere Hauptfiguren. "Eine Polizistin und ein Krimineller müssen zusammenarbeiten, um einen Terroristen zu stoppen." Um wen geht es? Entscheiden Sie sich. "Eine vorschriftstreue Polizistin muss sich mit dem Kriminellen verbünden, den sie hinter Gitter gebracht hat, um einen Terroristen zu stoppen, bevor die Stadt brennt, und sie hat zwölf Stunden." Die Polizistin ist die Hauptfigur, der Kriminelle Hindernis und Verbündeter zugleich.

Keine Fallhöhe. "Eine Köchin eröffnet ein Restaurant." Na und? "Eine Köchin, die ihren Michelin-Stern verloren hat, muss im Viertel ihres Rivalen ein Restaurant eröffnen und den Stern innerhalb eines Jahres zurückholen, sonst wird sie nie wieder kochen." Jetzt interessiert es uns.

Thema statt Geschichte. "Es ist ein Film über Trauer." Das ist das Thema, und es gehört ins Motivationsschreiben des Förderantrags, nicht in die Logline. Die Logline braucht Handlung. "Ein Witwer muss die unerledigte Wunschliste seiner Frau gemeinsam mit seiner feindseligen Stieftochter abarbeiten, sonst verliert er das Erbe und jede Chance auf Versöhnung." Das Thema (Trauer, Familie) kommt über die Geschichte.

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Vorher und nachher: ein schneller Vergleich

SchwachStark
Eine Anwältin kämpft für Gerechtigkeit.Eine Pflichtverteidigerin, die noch nie verloren hat, muss einen Mandanten verteidigen, von dessen Schuld sie weiß, und gewinnen, sonst kommt der wahre Mörder davon und sie verliert ihre Stelle.
Zwei Menschen verlieben sich trotz ihrer Unterschiede.Eine Hochzeitsplanerin, die 200 perfekte Hochzeiten organisiert hat, muss die Hochzeit ihres Ex mit der Frau planen, für die er sie verlassen hat, in zwei Wochen.
Ein Soldat kommt nach Hause und muss sich wieder einfinden.Ein Veteran mit schwerer posttraumatischer Belastungsstörung muss seinen verschwundenen Bruder binnen 24 Stunden finden, nur mit seiner militärischen Ausbildung, während seine Familie versucht, ihn einweisen zu lassen.

Die starken Fassungen haben ein klares Wer, was die Figur will, was im Weg steht und was auf dem Spiel steht. Und sie sind konkret. Aus "Anwältin" wird "Pflichtverteidigerin, die noch nie verloren hat". Aus "zwei Menschen" werden "Hochzeitsplanerin" und "die Hochzeit ihres Ex". Konkretes verkauft.

So testen Sie Ihre Logline

Sprechen Sie sie laut aus. Geht Ihnen die Luft aus, ist sie zu lang. Fragt ein Freund "Und was passiert dann?", fehlen Fallhöhe oder Hindernis. Könnte sie fünf verschiedene Filme beschreiben, ist sie zu vage. Müssen Sie sie hinterher erklären, streichen Sie den erklärungsbedürftigen Teil und schreiben Sie die Erklärung in die Logline.

Testen Sie sie im Ernstfall. Schicken Sie sie in einer Mail an eine Produktionsfirma, stellen Sie sie an den Anfang eines Förderantrags oder Ihres One-Pagers. Wird das Drehbuch angefordert, erfüllt die Logline ihren Zweck. Wird ohne Lektüre abgesagt, trägt die Logline (oder das Konzept) nicht. Überarbeiten Sie.

Die Perspektive

Die Logline ist die kleinste Einheit Ihres Pitches. Sie ist auch die wichtigste. Hauptfigur, Ziel, Hindernis, Fallhöhe: Bringen Sie diese vier in ein oder zwei Sätze, und Sie geben der Leserin einen Grund weiterzulesen. Ergänzen Sie eine Wendung, eine Frist oder ein scharfes "doch", und Sie geben ihr einen Grund, sich daran zu erinnern. Schreiben Sie sie, als hätten Sie nur einen Versuch. Im Stapel auf dem Tisch haben Sie genau den.

Wie Sie ein ganzes Projekt auf einer Seite zusammenfassen, zeigt unser Leitfaden zum One-Pager. Um schnell mehrere Varianten nach der Formel zu entwerfen und zu vergleichen, nutzen Sie den Logline Workshop und prüfen Sie die Konsequenzen anschließend mit dem Story Stakes Calculator. Zum Schutz vor dem Versand: Anders als in den USA mit der WGA-Registrierung gibt es in Deutschland keine Registrierungspflicht, das Urheberrecht entsteht mit dem Werk. Für einen Nachweis der Urheberschaft helfen datierte Fassungen, ein Einschreiben an sich selbst oder eine Hinterlegung beim Notar.

Aufschlüsselung der Formel: Hauptfigur, Ziel, Hindernis, Fallhöhe; technische Skizze auf dunklem Grund, Beschriftung auf Englisch
Vorher-nachher-Vergleich einer Logline; technische Skizze auf dunklem Grund, Text auf Englisch

FAQ

Wie viele Wörter sollte eine Logline haben?

Auf Englisch gelten 25 bis 35 Wörter als Ziel. Auf Deutsch sind 25 bis 40 realistisch. Der eigentliche Test ist nicht die Wortzahl, sondern der Atem: Wenn Sie sie nicht in einem Zug sagen können, ist sie zu lang.

Was ist der Unterschied zwischen Logline und Exposé?

Die Logline ist ein bis zwei Sätze lang und stellt die dramatische Frage. Das Exposé umfasst meist zwei bis fünf Seiten und erzählt die Geschichte samt Ende. In Förderanträgen steht die Logline als Kurzinhalt vor dem Exposé.

Gehört der Name der Figur in die Logline?

Selten. Ein konkreter Typ ("ein in Ungnade gefallener Schachtrainer") sagt mehr als ein unbekannter Name. Ausnahme ist eine historische oder berühmte Figur, deren Name selbst der Aufhänger ist.

Darf eine Logline zwei Sätze haben?

Ja, solange der zweite die Fallhöhe oder die Frist trägt und nicht zur Inhaltsangabe wird. Drei Sätze sind ein Exposé im Kleinformat.

Sollte die Logline das Ende verraten?

Nein. Die Logline stellt die dramatische Frage, ohne sie zu beantworten. Das Ende steht im Exposé oder Treatment, das angefordert wird, wenn die Logline funktioniert hat.

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